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Rubrikillustration Kreishaus
Karte - Euskirchen

Kreisgeschichte

Geschichte und Kultur im Zeitraffertempo

Schon lange vor dem berühmten Neandertaler bewegten sich Menschen im Gebiet des heutigen Kreises Euskirchen: Zehntausend Generationen trennen uns von den Werkzeugfunden des Homo erectus auf dem Plateau der Kartsteinhöhle bei Eiserfey, die in die Zeit vor etwa 300.000 Jahren zurückreichen. Sie sind damit die ältesten Spuren menschlichen Aufenthaltes im Rheinland.

Diese Frühmenschen, wie auch die weitaus meisten nachfolgenden Generationen, waren Jäger und Sammler. Erst vor etwa 6.500 Jahren, in der Jungsteinzeit, begannen die Menschen, Ackerbau zu treiben, Vieh zu halten und sich feste Häuser zu bauen. Sie wurden seßhaft, und die Erfindung der Keramik stellte eine revolutionäre Neuerung dar. Vor allem aus dem nördlichen Eifelvorland sind uns Siedlungen dieser frühesten Bauern bekannt, so aus Roitzheim, Nemmenich, Müggenhausen und Lommersum.

Die Erfindung der Metallschmelze und der zum Teil weitreichende Handel mit den aus Bronze gefertigten Produkten ermöglichte neue Entwicklungen in Landwirtschaft, Handwerk und Waffentechnik. Die Bronzezeit ist durch zwei bemerkenswerte Funde aus Wallenthal und Gemünd vertreten, die sich im Eifelmuseum in Blankenheim  befinden.

Als der römische Feldherr Gaius Julius Caesar um das Jahr 55 v. Chr. erstmals in das Gebiet des heutigen Kreises Euskirchen kam, fand er eine fast ausschließlich bäuerliche Bevölkerung vor, die größtenteils zum Stamm der Eburonen zählte, der im Jahr 53 v. Chr. besiegt und endgültig unterworfen wurde. Brandschichten in der Ringwallanlage "Alter Burgberg" bei Kreuzweingarten deuten auf eine Zerstörung in jenem Jahr hin. Auch auf dem Plateau oberhalb der Kartsteinhöhle und auf dem Stromberg bei Ripsdorf sind solche Befestigungsanlagen aus vorrömischer Zeit noch in Resten vorhanden.

Keine andere Epoche der Geschichte hat den Kreis Euskirchen so stark verändert wie jene gut 400 Jahre, in denen das Gebiet links des Rheins als Provinz Germania inferior Teil des römischen Weltreiches gewesen ist. Im Eifelvorland rund um die Siedlungen Tolbiacum (Zülpich) oder Belgica (Euskirchen-Billig) dehnten sich, soweit das Auge reichte, Getreidefelder aus.

Große Waldflächen, vor allem im gebirgigen Teil des Kreises Euskirchen, wurden gerodet und in Ackerland verwandelt. Mechernich wurde zum Zentrum des römischen Bleiabbaues; aber auch in Keldenich sowie im Höhengebiet zwischen Schmidtheim, Blankenheim und Nettersheim wurden ausgedehnte Spuren des antiken Bergbaues aufgefunden.

Steine für den Bau von Häusern, Militäranlagen und Brücken gewannen die Römer in zahlreichen Steinbrüchen. Die heute noch sichtbaren Abbauspuren an den Katzensteinen bei Katzvey lassen uns über die ausgereifte Technik antiken Steinbruchbetriebes staunen. Truppen der in Xanten stationierten Legion betrieben bei Iversheim eine schon industriell zu nennende Kalkbrennerei, in deren fünf Brennöfen monatlich etwa 200 Tonnen Baukalk gewonnen wurde.

Ein ausgezeichnetes Verkehrsnetz verband die militärischen Stützpunkte, Wirtschafts- und Siedlungszentren untereinander. Erst gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts waren die Straßenverhältnisse in der Eifel wieder so gut wie zur Zeit der Römer.

Die bedeutendste technische Leistung der Römer im Rheinland aber ist die Wasserleitung aus der Eifel, die über 200 Jahre lang mit natürlichem Gefälle frisches Quellwasser aus dem Gebiet der heutigen Gemeinde Nettersheim nach Köln beförderte. Die Quellfassung im Urfttal ist von Archäologen ebenso ergraben wie die Brunnenstube bei Kallmuth oder der Aquädukt in Vussem, von dem einige Pfeiler wieder aufgebaut wurden. Seit einigen Jahren kann man auf dem "Römerkanal-Wanderweg", den zahlreichen Aufschlüssen in der Leitung folgend, bis nach Köln wandern. 

An kulturell-religiösen Hinterlassenschaften der römischen Zeit sind vor allem die Tempelbezirke von Pesch, Zingsheim und Nettersheim zu nennen, wo die gallorömischen Matronen (Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttinnen) von der einheimischen wie der römischen Bevölkerung gleichermaßen verehrt wurden.

Als die Römer Ende des 4. Jahrhunderts infolge der Einfälle germanischer Stämme ihre Rheinprovinzen aufgeben mußten, blieb ein Teil der Bevölkerung in den angestammten Wohnsitzen und verwuchs nach einigen Generationen mit den Völkerwanderungsstämmen aus dem Osten zum Volk der Franken. Dieses Ende der römischen Herrschaft scheint stellenweise kriegerisch, zumeist aber recht friedlich vonstatten gegangen zu sein. Allerdings verfielen die meisten Bauwerke und wurden in späteren Jahrhunderten als willkommene Steinbrüche für die Errichtung von Kirchen, Burgen oder Hausfundamenten verwendet. Besonders deutlich läßt sich dies am Schicksal der römischen Wasserleitung ablesen: Nachdem die Wasserförderung infolge Verschlammung und Kalkablagerungen versiegt war, benutzte man die dicken Kalksinterschichten als Marmorersatz zur Ausstattung von Kirchen, Burgen und Wohnhäusern, wie man z. B. am Romanischen Haus in Bad Münstereifel noch sehr schön sehen kann.

Zur Zeit der karolingischen Herrschaft (8./9. Jahrhundert) und während der folgenden Jahrhunderte waren es zunächst die Klöster, die neues Acker- und Siedlungsland erschlossen. Als Tochtergründung von Prüm ließen sich um das Jahr 800 Benediktinermönche in Münstereifel nieder. Um 1130 gründeten Prämonstratenser das noch heute bestehende  Kloster Steinfeld und wirkten jahrhundertelang im weiten Umkreis als Seelsorger und Vermittler von Kultur und Technologie.

In einem lang andauernden sozialen Umschichtungsprozeß entstand im 11. und 12. Jahrhundert in unserem Raum die mittelalterliche Landesherrschaft. Das vom König ursprünglich auf Lebenszeit verliehene Land (Lehen) wurde nach und nach vererbbar und ging damit faktisch in den Besitz des Adels über. Vor allem die Erzbischöfe von Köln und die Grafen von Jülich trugen auf dem Gebiet des heutigen Kreises Euskirchen ihre Auseinandersetzungen um die Vormachtstellung aus.

Der einzige Reichtum, den die Gegend den Landesherren bescheren konnte, waren die Erzvorkommen, insbesondere das Eisenerz. Im Schleidener Tal und im oberen Ahrgebiet betrieben sie bedeutende Eisenhütten und Bergwerke. Seit dem 15. Jahrhundert war der Eisenguß in der Eifel bekannt geworden, und nun begann die Produktion von gußeisernen Herdplatten, die in ganz Mitteleuropa gehandelt wurden und zu einem Markenprodukt der Eifeler Hütten geworden sind. Der Transport zum Verbraucher allerdings erwies sich über Jahrhunderte hinweg als Dauerproblem: Der Schwerverkehr rollte teilweise immer noch über die Trassen der alten Römerstraßen, zum Teil quälten sich die Fuhrwerke über holprige Steinstraßen oder durch morastige Hohlwege.

Die Reformation Martin Luthers hinterließ nach anfänglichen Erfolgen in den Manderscheidischen Herrschaften nur im Schleidener Tal, das durch seine Eisenverarbeitung vielfache Beziehungen zur Außenwelt unterhielt, evangelische Kirchengemeinden. Aus ihnen gingen zwei der berühmtesten Gelehrten des 16. Jahrhunderts hervor: Johann Sturm und Johannes Sleidanus, der als Rektor der Universität Straßburg im Sinn der Reformation wirkte.

Ein düsteres Kapitel des 17. Jahrhunderts sind die zahllosen Hexenprozesse, die die Verunsicherung und Angst der Bevölkerung jener Zeit, aber auch die Habgier und skrupellose Machtbesessenheit einzelner Juristen und Beamter offenbaren. Die Stiftsbibliothek in Bad Münstereifel verwahrt das erschütternde Buch des Rheinbacher Bürgermeisters Hermann Löher, der sich gegen die Hexenverfolgung wandte und dadurch beinahe selbst ein Opfer der Tortur geworden wäre.

Die Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts bluteten das Land aus: Franzosen, Spanier, Niederländer, Russen, Preußen, Engländer und Österreicher plünderten, mordeten und brannten die Gehöfte nieder, wenn man ihnen nicht die geforderten "Fouragen" ablieferte. Die Wirtschafts- und Lebensformen der Bevölkerung hatten sich indessen seit Jahrhunderten kaum verändert: hölzerne, mit Eisen beschlagene Ackergeräte, Kühe und Ochsen als Zugtiere, mageres Vieh, geringe Ernteerträge. Die großen Epidemien wie Cholera, Typhus und Pest ließen ganze Ortschaften veröden.

1794 verjagten die französischen Revolutionstruppen auch in unserem Kreisgebiet die alten Landesherren. Dabei wurden nicht nur viele Burgen und Klöster zerstört, sondern auch die wertvolle kulturhistorische Sammlung der Grafen von Manderscheid-Blankenheim in alle Winde zerstreut. 1990 konnte ein Teil dieser Schätze im Rahmen einer großen internationalen Ausstellung im Eifelmuseum in Blankenheim erstmals wieder aus zahlreichen Museen und Archiven zusammengeführt werden.

Wenn man von den Kriegen absieht, hatte das darauf folgende Zeitalter Napoleons für das linksrheinische Rheinland überwiegend positive Folgen. So wurden erstmals seit der Römerzeit gut ausgebaute Fernstraßen geplant und teilweise auch gebaut. Die Einführung des Zuckerrübenanbaues in der Zülpicher Börde führte zu einem Aufschwung in der Landwirtschaft. Nach dem Napoleonischen Gesetzbuch, dem "Code Napoleon", orientierten sich auch die Preußen, als sie 1815 nach den Entscheidungen des Wiener Kongresses neue Herren unseres Raumes wurden.

Eine neue Verwaltungseinteilung trennte nun jahrhundertelange territoriale Zugehörigkeiten. 1827 wurde Euskirchen Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, nachdem das Gebiet vorher vorübergehend zum Kreis Lechenich gehört hatte.

Der südöstliche Teil des Kreises kam erst 1932 , nach der Auflösung des bis dahin bestehenden Kreises Rheinbach, hinzu. 1829 entstand nach einigen Vorstufen der Kreis Schleiden, der das Eifeler Bergland umfaßte und 1972 im heutigen Kreis Euskirchen aufging.

Die Preußen waren zunächst, in manchen Dingen dauernd, ungeliebte Landesherren. Zu verschieden waren sie in ihrem Denken, Handeln und vor allem Fühlen von den rheinischen Eifel- und Voreifelbewohnern. In wirtschaftlicher Hinsicht aber war die preußische Herrschaft für die Eifel ein Segen: Wiederaufforstung, Bodenverbesserung und Erschließung waren die drei Hauptprogrammpunkte. Und diese Entwicklungshilfe war dringend notwendig: Die Ackerböden waren ausgelaugt, die Wälder abgeholzt, die Weiden versumpft oder verkarstet. Jährlich wanderten Tausende aus, weil der Boden sie nicht mehr ernähren konnte.

Erst gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts hatten sich die Verhältnisse stabilisiert. Die Eisenbahn verband die wichtigsten Orte untereinander und mit der "großen Welt". Die alte Eisenindustrie war aber inzwischen zur Kohle ins Ruhrgebiet abgewandert; das Land in Eifel und Voreifel blieb ein Agrargebiet. Tausende mußten ihren Lebensunterhalt als Industriearbeiter oder Dienstkräfte in den nahen Großstädten verdienen.

Geprägt vom Katholizismus und der Politik der Zentrumspartei, ging das Land durch die Sorgen und Nöte des 1. Weltkrieges. In den Schützengräben lernten viele Soldaten aus Eifel und Voreifel erstmals den Weihnachtsbaum kennen, der bislang in der Region noch kaum Verbreitung gefunden hatte. Die Separatisten, die für ein freies Rheinland kämpften, konnten in der Zeit der Weimarer Republik hier genausowenig Resonanz finden wie Kommunisten und Nationalsozialisten. Noch bei den letzten, halbwegs freien Reichstagswahlen am 5. März 1933 war das Zentrum fast überall die führende Partei geblieben.

Hitlers Schreckensherrschaft führte dann schnell zum Terror gegen Andersdenkende. Entlang der Grenze zu Belgien wurde mit einem riesigen Aufgebot an Arbeitslosen der "Westwall" errichtet: Vorbote des nahenden Weltkrieges. 1938 wurden auch in unserem Raum die jüdischen Gotteshäuser systematisch zerstört, die jüdische Bevölkerung verschleppt und großenteils umgebracht. Mutige Frauen und Männer retteten zahllose Menschen, indem sie sie heimlich über die Grenze nach Belgien in Sicherheit brachten.

Am Ende des 2. Weltkrieges war das heutige Kreisgebiet ein Trümmerfeld. Der nordwestliche Teil gehörte zu den am stärksten verwüsteten Gegenden Westdeutschlands. Der Wiederaufbau ging nur langsam voran; Opferbereitschaft und Verzicht waren in den Hungerjahren nach dem Kriegsende leidvolle, aber auch anspornende Lebensinhalte der Bevölkerung.

Das "Wirtschaftswunder" der fünfziger Jahre bescherte den Menschen neben einer deutlichen Verbesserung ihres Lebensstandards auch einige technische Neuerungen: Kühlschränke, Waschmaschinen, Trecker und vor allem den Fernseher. Dies alles veränderte den Alltag mehr als die Entwicklung der Jahrhunderte zuvor. Das Auto wurde zum wichtigsten Fortbewegungsmittel und machte alle "mobil", ob auf dem Weg zur täglichen Arbeit, zum Einkaufen oder zum Reisen.

Auch an der Schwelle zum 3. Jahrtausend sollte man an den Zeugnissen einer 300.000jährigen Kulturgeschichte im Kreis Euskirchen nicht achtlos vorübergehen. Wenn man die Menschen von heute in ihrem Lebenskreis verstehen möchte, muß man sich in ihrer Geschichte umsehen. Sie begegnet einem auf Schritt und Tritt.




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