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Rubrikillustration Tourismus
Karte - Euskirchen

Integriertes Ausstellungskonzept für Vogelsang

Im Sommer 2005 beauftragte die EuRegionale 2008 Agentur in Abstimmung mit regionalen Fach- und Sachvertretern (z. B. Denkmalpflege, Fachbeirat, SEV, Nationalparkforstverwaltung) das Büro Müller-Rieger aus München, das u. a. für die Ausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in Nürnberg verantwortlich zeichnet, ein Gesamtkonzept für die neuen Nutzungen der ehemaligen Ordensburg Vogelsang zu entwickeln.

Der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung der Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang (SEV) haben auf ihrer Sitzung am Dienstag, dem 20.12.2005, dem integrierten Ausstellungskonzept für Vogelsang durch das Büro Müller-Rieger einstimmig zugestimmt. Ein positiver Beschluss erfolgte ebenso im Rahmen der Lenkungsgruppe Vogelsang gemeinsam mit den EuRegionale 2008 Beauftragten. Endgültig müssen noch die Gesellschafter der EuRegionale 2008 zustimmen, um in Finanzverhandlungen mit dem Land NRW einsteigen zu können.

Damit sind sowohl inhaltlich als auch organisatorisch die Leitlinien geschaffen, um Vogelsang zivil zu nutzen. Im Rahmen der EuRegionale 2008 leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Standort- und Regionalentwicklung. Im Adlerhof werden Ankernutzungen angesiedelt, um den Standort attraktiv entwickeln zu können.

1. Grundidee des integrierten Ausstellungskonzepts des Büros Müller-Rieger

Kernidee dieses Konzepts ist es, durch einen bewussten Umgang bzw. durch die gezielte Nutzung und eine behutsame Umgestaltung von Architektur und Gelände unter Einbeziehung und Beachtung der Historie eine Brechung der belasteten Vergangenheit des Areals herbeizuführen.

Dies soll durch verschiedene Angebote erreicht werden:

  1. Wissensvermittlung (mehrsprachig)
    Ausstellungen zur Regionalgeschichte, zur NS-Geschichte der Ordensburg und zum Nationalpark Eifel
  2. Internationale Bildungsangebote "
    "Akademie Vogelsang" und Jugendzentrum des Deutschen Jugendherbergswerk mit europäischer Ausrichtung
  3. Landschaftsinszenierung
    in Form von Spielflächen, Ruhezonen und gelenkten Ausblicken.

Jede dieser geplanten Nutzungen soll einen Kontrapunkt zur nationalsozialistischen Ideologie setzen: Etwa Spiel als Gegensatz zu militärischem Drill oder internationale Bildungsangebote als Gegensatz zu nationalistischem Ideologieglauben.

Im Rahmen der Vogelsang Akademie sind Seminare zum Thema Menschenrechte und Antirassismusprogramme geplant. Diverse Bildungsträger wie die Touro Law School, New York, und das Oradour Memorial, Frankreich haben bereits Interesse bekundet.

2. Dachmarke

Als Dachmarke ist ein "Fokus" entwickelt worden. Er dient als Leitsystem, Informationsträger und Logo. Gleichzeitig unterstützt der "Fokus" mit einer Größe von ca. 3 mal 4 Metern unübersehbar die oben skizzierte Grundidee.

Als Logo ist der Fokus asymmetrisch und abstrakt. Er widerspricht damit der nationalsozialistischen Ästhetik bzw. dem nationalsozialistischen Kunstverständnis, ordnet sich aber sensibel in das Ensemble ein.

Seine Anordnung im Gelände wird die strenge symmetrische Ordnung der ehemaligen Ordensburg aufweichen bzw. verwischen. Ferner ist seine eigene Geometrie so angelegt, dass er den Blick zu lenken, eben zu fokussieren vermag. Es wird so möglich sein, den Blick für solche Dinge zu schärfen, die das nationalsozialistische Natur- oder Gesellschaftsverständnis besonders deutlich markieren. Die besondere Geometrie des Fokus' ermöglicht je nach Anordnung bzw. Ausrichtung einen Wechsel des Blickwinkels und überraschende Ein- und Ausblicke. Diese Freiheit des Blicks steht im Gegensatz zur einseitigen Ausrichtung der Sichtweise im Nationalsozialismus und ist konstituierend für demokratisches Leben.

Auch die Farbe des Fokus' hätte den Nazis sicher nicht gefallen. Inspiriert wurde die Farbgebung u. a. durch das so genannte "Eifelgold", den eifeltypischen Ginster.

Das Gesamtkonzept des Büros Müller Rieger sieht auch einen neuen Namen für die ehemalige Ordensburg Vogelsang vor. Dieser Name soll aus dem Begriff Vogelsang und dem angehängten Kürzel ip bestehen. Das Kürzel soll neugierig machen und zu Assoziationen in unterschiedlichen Sprachen reizen, z. B.

  • in progress
  • innovatives Projekt
  • internationaler Platz

usw..

3. Ausstellungen

Das NS-Dokumentationszentrum wird den inhaltlichen Schwerpunkt auf die Darstellung des Erziehungssystems und die Indoktrination im NS-Staat legen. Die geplante Ausstellung wird die Geschichte der so genannten Ordensburg veranschaulichen und deren Hintergründe beleuchten. Auch die im Sinne der Herrschaftsarchitektur inszenierte Natur wird dabei einer kritischen Reflexion unterzogen.

Das Nationalparkzentrum Vogelsang wird die zentrale Anlauf- und Informationsstelle für den ganzen Nationalpark Eifel. Die Geschichte dieses Naturraums, seine Besonderheiten und die spannende Zukunft der weitgehend sich selbst überlassenen Natur, werden in der zukünftigen Ausstellung dargestellt, kommentiert und vermittelt.

Die geplante Ausstellung Eifel - Ikonen illustriert auf besondere Weise den Fernblick auf die Region. Sie erzählt die wechselvolle Geschichte der Eifel als Land, das die Kelten und die Römer prägten, das zum Kerngebiet des ersten europäischen Großreiches von Karl dem Großen gehörte und das später Grenzland und vergessene Region wurde, aber auch weltbekannte Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Die Ausstellung soll Besucher dazu anregen, die Eifel-Region näher zu erkunden und die Ikonen-Orte zu besuchen.

4. Kostenplan und Finanzierung

Laut Plan des Büros Müller-Rieger, belaufen sich die Kosten für Umbau, Erschließung, Ausstattung sowie Ausstellungs- und Programmentwicklung von Vogelsang ip auf 28,7 Mio. €. Davon entfallen 15,2 Mio. € auf die Herrichtung der Gebäude, 8,4 Mio. € auf die Ausstattung sämtlicher Ausstellungen, 850.000 € auf die Entwicklung und 4,25 Mio. € auf die Geländeerschließung. In diesen Kosten sind die Einrichtung einer Gastronomie, eines Shops und die Entsorgung von Altlasten enthalten.

Dank des Förderinstruments REGIONALE des Landes NRW besteht im Rahmen der EuRegionale 2008 die Möglichkeit, prioritär Gelder für das Projekt Vogelsang ip zu erhalten. Nach "Labelvergabe" durch die EuRegionale 2008 im Januar 2006 werden Finanzierungsgespräche mit den entsprechenden Stellen stattfinden. Bereits laufende Verhandlungen mit dem Bund sollen im ersten Quartal 2006 intensiviert werden. Ebenso wird in diesem Zeitraum die Akquisitionsinitiative der SEV, deren Aufgabe es ist private Investoren zu gewinnen, in die nächste Phase gehen.

5. Auswirkungen

Nach Berechnungen des Büros Müller- Rieger, kann Vogelsang ip mit  200.000 bis 300.000 Besuchern jährlich rechnen. Dies garantiert positive Impulse für den Eifeltourismus, zahlreiche Folgeinvestitionen und Arbeitsplätze am Ort selbst sowie in der regionalen Gastronomie und Hotellerie.

6. Nächste Schritte

Um im Präsentationsjahr der EuRegionale 2008 die erste Realisierungsstufe abgeschlossen zu haben, kommen nun die folgenden Aufgaben auf die SEV zu:

  • Sicherstellung der Projektfinanzierung
  • Initiierung eines Architektenwettbewerbs für die notwendigen Umbaumaßnahmen
  • Ausarbeitung der Ausstellungen
  • Bildung eines Kuratoriums
  • Vertragsabschluss mit dem Deutschen Jugendherbergswerk für das Europazentrum für Jugend und Zukunft.



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