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Rubrikillustration Tourismus
Karte - Euskirchen

Erste Sitzung des Fachbeirats am 20. Mai 2003 in Schleiden

Vogelsang Burghof mit Wasserturm Burghof mit Wasserturm (54 m) Großbildansicht

Am 20. Mai 2003 trat der Fachbeirat zu seiner konstituierenden Sitzung in Schleiden zusammen. Neben der Erledigung formaler Tagesordnungspunkte diskutierten die Mitglieder vor allem die Möglichkeiten zur Nachnutzung des Standortes und Gebäudekomplexes Vogelsang für die historische und politische Bildung. Die Diskussion führte zu folgenden Ergebnissen:

1. Es ist nicht nur sinnvoll, sondern zwingend geboten, im Gebäudekomplex der Ordensburg eine Dokumentation zum Nationalsozialismus einzurichten. Nur so kann verhindert werden, dass der Ort nach Freigabe des Geländes durch die belgischen Streitkräfte zum Jahreswechsel 2005/2006 zum Zielort eines nostalgischen Geschichtstourismus oder gar zum Kultort rechtsextremistischer Kreise wird. Die Anziehungskraft, die authentische Orte des Nationalsozialismus nach allgemeiner Erfahrung haben, gilt es vielmehr durch historische Aufklärung für die Vermittlung und Festigung demokratischer und antitotalitärer Einstellungen und Werte zu nutzen.

2. Vogelsang war weder ein machtpolitisches Zentrum des "Dritten Reichs" noch von irgendeiner exekutiven Bedeutung, so dass sich eine breit gefächerte Ausstellung zum Nationalsozialismus hier verbietet. In Vogelsang sollte vielmehr - im Verbund mit drei anderen Ordensburgen - das politische Führungskorps der NSDAP herangezogen werden. Es erscheint daher sinnvoll, hier die Ausbildung der politischen Leiter darzustellen und diese Dokumentation durch Einbeziehung der Gliederungen und Verbände der Partei zu einem Gesamtbild der Erziehung, Schulung und Indoktrination im "Dritten Reich" zu erweitern.

Adlerhof mit Wandelhalle und Paradeplatz Adlerhof mit Wandelhalle und Paradeplatz vom Wasserturm gesehen Großbildansicht

3. Da die kurze Geschichte der Ordensburg nur einen Ausschnitt aus der Geschichte der Region darstellt, soll eine zweite Ausstellung entstehen, die nicht primär dem Nationalsozialismus gewidmet ist, sondern die einen Überblick über die Geschichte der EUREGIO Maas-Rhein bietet. Eine solche zweite Ausstellung wird die Attraktivität des Standortes erheblich steigern und auch überregionales Interesse wecken, besonders dann, wenn sie die Spuren in die Geschichte zurück verfolgt und damit ein Thema von allgemeinhistorischem Interesse aufgreift.

Die Ausstellung zum Nationalsozialismus soll deshalb, wie sich dies inzwischen an anderen Orten bewährt hat, als Dokumentation gestaltet werden, während die regionalgeschichtliche Ausstellung Museumscharakter haben soll.

4. Dieses duale Ausstellungskonzept kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn sich diese Ausstellungen nach Inhalt und Zeithorizont sowie in den Darstellungsmitteln sehr deutlich abheben.

Vogelsang: Sportstätten und Urfttalsperre Sportstätten (vorne) und Urfttalsperre Großbildansicht

5. Vogelsang ist durch seine abgeschiedene Lage mit keinem anderen NS-Geschichtsort vergleichbar. Das kann als Chance begriffen werden, hier eine Einrichtung mit einem ganz spezifischen Profil in der deutschen Gedenkstätten-Landschaft zu schaffen. Die Fülle an Naturdenkmälern, an historischen Zeugnissen, die Schönheit und die Artenvielfalt einer seit fast 60 Jahren für die Allgemeinheit unzugänglichen Landschaft, addieren sich zu einem einzigartigen Fundus an Anschauungsmaterial für die allgemeine Bildung. Er eröffnet die Möglichkeit, Vogelsang nicht nur als Ausstellungszentrum für Tagesbesucher anzulegen, sondern eine Einrichtung zu schaffen, die die beiden Ausstellungen mit einem breiten pädagogischen Programm kombiniert, das alle regional gegebenen Lernmöglichkeiten aufgreift und auch Freizeitaktivitäten einschließt.

6. Der Fachbeirat tritt dafür ein, diejenigen nach 1945 entstandenen militärischen Funktionsbauten, für die keine sinnvolle und nationalparkverträgliche Nachnutzung gefunden werden kann, zurück zu bauen. Da die 60jährige Geschichte des Geländes als Truppenübungsplatz nicht aus der Landschaft getilgt werden soll, sollten jedoch einige militärische Funktionsbauten mit Symbolwert erhalten werden.