Drei Tage intensives Training, komplexe Einsatzlagen und zahlreiche parallele Schadensereignisse: Der Führungsstab des Kreises Euskirchen hat beim Institut der Feuerwehr in Münster eine umfassende Stabsrahmenübung absolviert. Insgesamt 24 Mitglieder des Führungsstabes nahmen an dem Seminar teil, dessen Kernstück eine zweitägige realitätsnahe Übung war.
Das Szenario orientierte sich bewusst an realen Gefahrenlagen: Eine schwere Unwetterfront zog über den Kreis und führte zu einer Vielzahl gleichzeitig auftretender Einsatzlagen. Neben einer Unzahl vollgelaufener Keller, überfluteter Straßen und umgestürzten Bäumen kam es zu Folgeereignissen wie der Einsturz eines Hallendaches in Hellenthal mit vermissten Jugendlichen, ein Zugunglück zwischen Kall und Euskirchen, ein Gerüstunfall in Schleiden mit vielen Verletzten sowie einem Gefahrgutunfall in Dahlem.
Im weiteren Verlauf verlagerte sich die Unwetterlage in den Nordkreis, wo zusätzlich ein drohendes Überlaufen des Regenrückhaltebeckens in Horchheim sowie ein zunächst unklarer Unfall in Euskirchen – der sich als Sprengstoffanschlag herausstellte – bewältigt werden mussten.
„Das war eine ausgesprochen umfassende und hochkomplexe Einsatzlage“, resümierte Kreisbrandmeister Peter Jonas, der mit einem Team den Führungsstab des Kreises federführend koordiniert. „Solche Übungen stellen hohe Anforderungen – aber nur dadurch können wir uns auf solche oder ähnliche Szenarien vorbereiten.“
Großeinsatzlagen entwickelten sich auch in der Realität oft schnell und unvorhersehbar. Umso wichtiger sei es, dass Abläufe, Kommunikation und Zusammenarbeit regelmäßig trainiert werden. „Übungen wie diese ermöglichen es, unter realistischen Bedingungen Erfahrungen zu sammeln, Schwachstellen zu erkennen und Abläufe zu optimieren – ohne Zeitdruck eines echten Einsatzes“, so Peter Jonas.
Die Nachmittage der Übung standen im Zeichen der sogenannten Manöverkritik: Gemeinsam mit den Dozenten des Instituts der Feuerwehr wurden Entscheidungen, Abläufe und Kommunikation analysiert und bewertet. Dort zeigte man sich mit den Euskirchenern sehr zufrieden: „Hier waren echte Profis am Werk. Das hohe Engagement und die gute Zusammenarbeit im Stab waren deutlich spürbar.“
Das erfolgreiche Abschneiden bei der Übung ist auch das Ergebnis jahrelanger Aufbauarbeit: Mehr als 50 Mitglieder des Führungsstabes und weitere 20 Fachberater und Verbindungspersonen engagieren sich – überwiegend ehrenamtlich – in Ausbildung, Planung und Weiterentwicklung dieser wichtigen Einheit. Der Kreis Euskirchen setzt damit weiterhin auf eine leistungsfähige und gut vorbereitete Führungsstruktur, um auch in außergewöhnlichen Einsatzlagen bestmöglich aufgestellt zu sein.
„Solche Übungen sind unverzichtbar, um im Ernstfall schnell, strukturiert und abgestimmt handeln zu können. Gerade die Vielzahl paralleler Einsatzlagen zeigt, wie wichtig ein eingespielter Führungsstab ist“, betont Julia Baron, die Leiterin des Krisenstabes des Kreises Euskirchen.
Was ist ein Führungsstab?
Zur Bewältigung von Großeinsatzlagen und Katastrophen reichen die alltäglichen Führungsstrukturen von Feuerwehren, Rettungsdienst und Katastrophenschutz nicht mehr aus. Oftmals müssen auch Einheiten von beispielsweise THW und Bundeswehr in Amtshilfe eingesetzt werden. Gemäß Brandschutz-, Hilfeleistungs- und Katastrophenschutzgesetz in NRW leiten und koordinieren die Kreise solch komplexe Einsatzlagen und haben hierfür vorbereitend einen Krisenstab und eine Einsatzleitung - auch Führungsstab genannt – einzurichten.
Ein Führungsstab setzt sich typischerweise aus unterschiedlichen Sachgebieten mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammen, die je nach Einsatzlage besetzt werden. Zu den Kompetenzen zählen unter anderem die Informationssammlung und -auswertung, die Lagedarstellung und -bewertung, die strategische Einsatzplanung und Koordination von Maßnahmen, die Organisation von Versorgung und Logistik, die Dokumentation des Einsatzverlaufs, Unterstützung bei der Warnung und Information der Bevölkerung, die Planung und Aufrechterhaltung von Informations- und Kommunikationsstrukturen sowie die Unterstützung bei der Kommunikation mit anderen Behörden und Organisationen. Unterstützt durch Fachberaterinnen und Fachberater der Hilfsorganisationen und des THW sowie durch Verbindungspersonen von Polizei und Bundeswehr kann der Führungsstab auf über 20 Einsatzkräfte anwachsen. Ein 24 / 7 Betrieb ist über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten. Damit sorgt der Führungsstab dafür, dass auch in unübersichtlichen und dynamischen Lagen strukturiert und zielgerichtet gehandelt werden kann.
