Nach der Flutkatastrophe 2021 haben sich der Erftverband sowie Kreise und Kommunen im Erft‑Einzugsgebiet zur Interkommunalen Hochwasserschutzkooperation Erft (hwsErft) zusammengeschlossen, um den Hochwasserschutz in der Region nachhaltig zu stärken. Seitdem wächst die Kooperation kontinuierlich, entwickelt gemeinsame Hochwasserschutzkonzepte und setzt erste Maßnahmen um. Vier Jahre nach ihrer Gründung umfasst sie drei Kreise, 18 Kommunen und den Erftverband als Projektleitung. Auf der Pressekonferenz am Zülpicher Wassersportsee zogen die Mitglieder im Beisein von Staatssekretär Viktor Haase aus dem Umweltministerium ein positives Resümee, besichtigten die erste interkommunale, durch das Land mit rund 2,7 Mio. Euro geförderte Baumaßnahme und gaben einen Ausblick auf die nächsten Schritte – darunter die weitere Beckenplanung und die Vertiefung der Zusammenarbeit, unter anderem im Regionalpakt für Hochwasserschutz Erft als Teil des Landespaktes für Hochwasserschutz.
Dazu Landrat Markus Ramers: “Die Flutkatastrophe 2021 hat gezeigt: Wasser kennt keine kommunalen Grenzen. Umso wichtiger ist abgestimmtes Handeln entlang ganzer Gewässereinzugsgebiete. Die hwsErft bündelt Kommunen, Kreise, Wasserverbände und weitere Partner und bringt Konzepte, Risikoanalysen und Maßnahmen voran. Nun gilt es, die Planungen konsequent umzusetzen. Die hwsErft bleibt ein wichtiger Motor für modernen Hochwasserschutz.”
Über 100 Workshops haben bislang Transparenz in den Aktivitäten im lokalen und interkommunalen Hochwasserschutz geschaffen. Viele Bürger trugen durch aktive Teilnahme mit zahlreichen Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Schutzmaßnahmen bei, die von den zuständigen Fachbüros ausgewertet und in das Kartensystem „WebGIS“ eingepflegt wurden. Die Workshop-Serien sind in den meisten Kommunen abgeschlossen.
Um den Bürger die Komplexität und Zusammenhänge des Hochwasserschutzes näherzubringen, hat die hwsErft ihr Informationsangebot entsprechend ausgebaut. Neben einem Flyer mit den Basisinformationen zur Kooperation, sind zwei Erklärfilme entstanden – abrufbar auf der Website und dem YouTube‑Kanal des Erftverbandes. Sie vermitteln zentrale Grundlagen: Der erste Film erläutert die Unterschiede zwischen Starkregen und Hochwasser. Hier wird klar, warum effektiver Hochwasserschutz von der Quelle bis zur Mündung im Sinne des 10-Punkte-Arbeitsplans des Landes gedacht werden muss. Der zweite Film zeigt, wie natürliche Gewässerentwicklung und technische Schutzmaßnahmen ineinandergreifen. Auf der Website der hwsErft geben zudem interaktive Infografiken einen leicht verständlichen Überblick über Aufgaben, Maßnahmenansätze und die Bedeutung interkommunaler Zusammenarbeit. Für die Wissensvermittlung über Social Media wurden Steckbriefe der geplanten Hochwasserrückhaltebecken (HRB) erstellt. Die Kurzvideos zu den Baustellen-Updates erreichen in der Spitze bis zu 37.000 Aufrufe.
Weitere Hochwasserschutzmaßnahmen
Zur Realisierung von weiteren Hochwasserrückhaltebecken (HRB) steht der Erftverband in engem Austausch mit den kommunalen Planungsträgern und der Bezirksregierung Köln, um die Planungs- und Genehmigungsprozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen. Folgende interkommunale Hochwasserschutzmaßnahmen werden zurzeit bearbeitet:
- HRB Kommerner Mühlensee – in Umsetzung
- HRB Schwerfen – in Planung
- HRB Möschemer Mühle – in Planung
- HRB Schweinheim – in Planung
Hochwasserabschlag in den Zülpicher Wassersportsee – in Umsetzung
- HRB Flerzheim – im Grunderwerb
HRB Vussem – in Planung
HRB Liblar – in Vorbereitung
Ausbau des HRB Garsdorf (Bestandsbecken) – in Vorbereitung
Gewässerausbau Schweinheim – in Planung
- Gewässerausbau Hohenholzer Graben – in Planung
Erftumbau/Perspektivkonzept Erft: Abschnitt 20 Glesch – im Genehmigungsverfahren
- Erftumbau/Perspektivkonzept Erft: Abschnitt 10 Grevenbroicher Bend – im Genehmigungsverfahren
Erftumbau/Perspektivkonzept Erft: Abschnitt 6-9 Erftaue Kapellen – in Planung
Kommunale Maßnahmen
Ergänzend zum Ausbau der interkommunal wirksamen Maßnahmen befassen sich die meisten Kommunen der hwsErft aktuell mit der Finalisierung der Maßnahmenkonzipierung. Die Hochwasserschutzmaßnahmen der Kommunen werden in definierten GIS-Projekten gesammelt, dem Erftverband übergeben und im Rahmen der Qualitätssicherung geprüft. Das Konzept der Stadt Euskirchen wurde bereits vom beauftragten Ingenieurbüro übergeben. Das Konzept der Stadt Bad Münstereifel wurde Ende Juni im Rat beschlossen. Parallel finalisiert der Erftverband die erste Fassung des Interkommunalen Hochwasserschutzkonzeptes, das die interkommunal wirksamen Hochwasserschutzmaßnahmen und die Maßnahmensteckbriefe der Kommunen umfasst.
Gemeinsame Lageeinschätzung verbessert Hochwassermanagement
Abseits konzeptioneller Überlegungen zum Hochwasserschutz und der konkreten Umsetzung von technischen Hochwasserschutzmaßnahmen, stärkt der Erftverband im Rahmen des EU-HORIZON-Innovation-Actions-Projekts DIRECTED die Schnittstelle zwischen Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz, um die Kommunikation während einer Hochwasserlage zu verbessern. Die gezielte Einbindung von Akteuren des Katastrophenschutzes der Landkreise, des LANUK und der Bezirksregierung Köln in Diskussionen und Planspielen (Tabletop Exercise) hat gezeigt, wie sich der Informationsaustausch während einer Hochwasserlage deutlich verbessern lässt.
Inzwischen wurde auch das Hochwasserinformationssystem (HOWIS) des Erftverbandes überarbeitet und ein Online-Meeting zur gemeinsamen Lageeinschätzung mit Akteuren des Erftverbandes und des Katastrophenschutzes der Kreise eingeführt. Dieses Online-Meeting wird mit der HOWIS Bereitschaftsstufe ausgerufen und ermöglicht eine gemeinsame Dateninterpretation bei einem wahrscheinlichen Hochwasserereignis sowie den Austausch und Abgleich von Informationen in Echtzeit. Der Erftverband und die Landkreise des Erft-Einzugsgebietes unterzeichneten die Vereinbarung zur gemeinsamen Lageeinschätzung im Rahmen der Pressekonferenz am 17. Juni. Seit dem Hochwasserereignis im Mai 2025 an der Swist wurde das Online-Meeting bereits dreimal erfolgreich durchgeführt.
Erftverband erweitert Messnetz und Modelltechnik
Der Erftverband baut im Rahmen des EFRE-Projekts Rivercast zudem sein Pegel- und Sensornetzwerk weiter aus, um die Informationslage im Einzugsgebiet zu verbessern. In diesem Zusammenhang wird das HOWIS-System technisch weiterentwickelt. Es wird die wesentlichen in HOWIS abgebildeten Mess- und Vorhersagedaten enthalten und um die neu installierten Sensoren ergänzt. Gleichzeitig fungiert dieses System als „Hülle“ für die Daten der kommunalen Frühwarnbestrebungen.
Fortführung der hwsErft und Regionalpakt für Hochwasserschutz Erft
Neben den Bestrebungen der hwsErft zur Verbesserung des interkommunalen Hochwasserschutzes in der Erft-Region wird seitens des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein‑Westfalen (MUNV) die Gründung des Regionalpaktes für Hochwasserschutz Erft forciert. Dieser Regionalpakt baut auf den Strukturen und Zielen der hwsErft auf und soll langfristig die räumliche Ausdehnung der hwsErft auf das gesamte Einzugsgebiet der Erft sowie die Fortführung der Kooperation sicherstellen. Staatssekretär Haase betont: „Der Pakt bringt alle Beteiligten zusammen, damit wir Hochwasserschutz für ganze Flussgebiete denken und planen können. Das Ziel ist, den bestmöglichen Schutz für die Menschen in Nordrhein-Westfalen zu erreichen.“ Darüber hinaus werden die Kommunen bei der Umsetzung kommunaler Hochwasserschutzmaßnahmen besser unterstützt. Durch den Einsatz von Koordinatoren plant der Erftverband im Rahmen des Regionalpaktes für Hochwasserschutz, den Kommunen ein Unterstützungsangebot bei der Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen.
Weitere Informationen und Updates
Aktuelle Informationen, Baustellen‑Updates und Einblicke in laufende Hochwasserschutzprojekte veröffentlicht der Erftverband regelmäßig auf seinen Social‑Media‑Kanälen. Unter dem Hashtag #hwsErft finden sich zudem weitere Beiträge zu kommunalen Maßnahmen im Erft-Einzugsgebiet.
https://hws-kooperation.erftverband.de/
