Auf den Wiesenflächen neben der alten Talmühle in Schwerfen hat der Erftverband erste Artenschutzmaßnahmen für das geplante Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Schwerfen umgesetzt. Seit März stehen dort abgestorbene Baumstämme, neu angelegte Reisighaufen inmitten einer Pflanzung – Maßnahmen, die auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken, aber einen wichtigen ökologischen Zweck erfüllen.
Das neue HRB zwischen Zülpich-Schwerfen und Mechernich-Eicks soll künftig rund 222.000 m³ Rückhaltevolumen bereitstellen und damit die unterhalbgelegenen Ortschaften am Rotbach wirksam vor Hochwasser schützen. Obwohl der Baubeginn frühestens 2029 erfolgen wird, laufen bereits jetzt sogenannte CEF-Maßnahmen (continuous ecological functionality measures). Diese werden vor dem eigentlichen Eingriff in Natur und Landschaft in unmittelbarer Nähe zum Projektgebiet umgesetzt, um sicherzustellen, dass geschützte Arten weiterhin funktionsfähige Lebensräume vorfinden.
Für Spechte wurden abgestorbene Baumstämme aus dem Zülpicher Stadtgebiet aufgestellt. Hier können sie von Spechten bearbeitet werden. Entstehende Höhlen können sowohl von Spechten als auch anderen Höhlenbrütern, wie z.B. dem Star, später als natürliche Bruthöhlen genutzt werden. Mit etwas Glück finden zudem Fledermäuse an oder in den Stämmen ein Sommerquartier. Im Laufe der Jahre werden die Stämme durch natürliche Zersetzungsprozesse zusammenfallen und so wertvolles Totholz für Käfer und andere Insekten bieten.
Rund um die Stämme wurden inzwischen zahlreiche junge Bäume und Sträucher gepflanzt. Sobald diese herangewachsen sind, bilden sie langfristig artenreiche Gehölzbereiche. Gehölzbrütende Vögel können die strauchreiche Pflanzung als neuen Lebensraum annehmen.
Auch die streng geschützte Haselmaus – ein Bilch und kein Nagetier – soll von den Maßnahmen profitieren. Für sie wurden Totholz-Reisighaufen angelegt sowie Haselsträucher und weitere blüten- und beerenreiche Nahrungspflanzen integriert. Zum Schutz vor Wildverbiss werden die Jungpflanzen zunächst eingezäunt; der Zaun wird entfernt, sobald die Pflanzen ausreichend groß und widerstandsfähig sind. Die Fläche soll sich in den kommenden Jahren zu einem wertvollen Rückzugsraum für diese und viele weitere Arten im Rotbachtal entwickeln.
Die umfangreiche Planung für das Hochwasserrückhaltebecken wird derzeit finalisiert und soll im Sommer bei der Bezirksregierung Köln eingereicht werden. Nach der Genehmigung kann der Bau frühestens im Jahr 2029 beginnen.
Weitere Informationen und Updates
Aktuelle Informationen, Baustellen‑Updates und Einblicke in laufende Hochwasserschutzprojekte veröffentlicht der Erftverband regelmäßig auf seinen Social‑Media‑Kanälen. Unter dem Hashtag #hwsErft finden sich zudem weitere Beiträge zu kommunalen Maßnahmen im Erft-Einzugsgebiet.
