Feuerwehr kennt keine Grenzen

Pressemitteilungen

29.10.2026

Feuerwehr kennt keine Grenzen

Wie funktioniert eine Leitstelle in Deutschland? Wie werden Notrufe entgegengenommen und Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst koordiniert? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielt Gregory Gody Kinyunyu aus Tansania, der jetzt die Leitstelle des Kreises Euskirchen besuchte. Der 26-jährige Feuerwehrmann ist derzeit im Rahmen eines internationalen Hospitationsprogramms in Deutschland unterwegs, um Einblicke in die hiesigen Feuerwehr- und Rettungsdienststrukturen zu gewinnen.

Begleitet wurde er von Ramona Hammes aus Hellenthal, die sich seit vielen Jahren im Rahmen der European Fire & Rescue Support Association (EFRSA) für den Aufbau und die Verbesserung von Feuerwehr- und Rettungsdienststrukturen in Ostafrika engagiert.

Begrüßt wurden die Gäste von Julia Baron, Dezernentin des Kreises Euskirchen und unter anderem für den Bereich Gefahrenabwehr zuständig. Anschließend stellte Lena Dobkowicz in einem eigens vorbereiteten englischsprachigen Vortrag die Aufgaben, Abläufe und Organisationsstrukturen eines „Fire and Rescue Control Centers“ vor. Bei einer Besichtigung erhielt Gregory Gody Kinyunyu zudem die Gelegenheit, den Disponenten über die Schulter zu schauen und sich unmittelbar mit ihnen über ihre Arbeit auszutauschen. Dabei zeigte sich schnell: Während es bei den Aufgaben von Feuerwehr und Rettungsdienst durchaus Gemeinsamkeiten gibt, unterscheiden sich die organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen erheblich.

Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Alarmierung der Einsatzkräfte. Während in Deutschland Feuerwehr- und Rettungsdienstnotrufe über die einheitliche Notrufnummer 112 bei den zuständigen Leitstellen eingehen, gibt es in Tansania unterschiedliche Rufnummern für Notfälle. Eine mit Deutschland vergleichbare flächendeckende Struktur integrierter Leitstellen besteht nicht. Auch die personellen und technischen Möglichkeiten unterscheiden sich erheblich – ebenso wie die Ausstattung.  Kinyunu berichtete von einer tansanischen Stadt mit rund 150.000 Einwohnern, der nur ein einziges Feuerwehrfahrzeug zur Verfügung stehe. Insbesondere in ländlichen Regionen sind die Entfernungen zwischen den Feuerwachen enorm. In der Region Kagera im Nordwesten Tansanias liegen diese teilweise mehr als 100 Kilometer auseinander.

Gregory Gody Kinyunyu arbeitet seit 2022 als Feuerwehrmann in Biharamulo in der tansanischen Region Kagera. In den Jahren 2025 und 2026 nahm er an Ausbildungsprogrammen der EFRSA teil und qualifizierte sich für das internationale Hospitationsprogramm „Team works!“ des Deutsch-Afrikanischen Jugendwerks. Vom 17. Oktober bis zum 29. November hält er sich in Deutschland auf. Schwerpunkt seines Aufenthalts ist eine vierwöchige Hospitation bei der Berufsfeuerwehr Dortmund. Darüber hinaus lernt er verschiedene Bereiche des deutschen Feuerwehr- und Rettungswesens sowie weitere Organisationen des Bevölkerungsschutzes kennen. So machte er nach dem Besuch der Kreisleitstelle noch einen Abstecher zum DRK-Zentrum in Euskirchen. Das Wochenende verbringt er auf Einladung von Ramona Hammes in Hellenthal, wo er Einblicke in die dortige Feuerwehr erhält. 

Die EFRSA engagiert sich seit zehn Jahren insbesondere in Kenia und Tansania. Unter dem Leitgedanken „Hilfe zur Selbsthilfe“ bildet der Verein örtliche Feuerwehrkräfte aus, unterstützt die Weiterentwicklung von Einsatzkonzepten und organisiert Fahrzeuge und Ausrüstung. Der Besuch in der Kreisleitstelle Euskirchen war ein weiterer Baustein dieses internationalen Wissenstransfers – und für beide Seiten eine interessante Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

 

FOTO: In der Leitstelle des Kreises Euskirchen erklärte Dienstschichtführer Sebastian Trump, wie die Einsätze disponiert werden – Gregory Gody Kinyunyu war sehr interessiert und stellte viele Fragen. Im Hintergrund (v.l.) Ramona Hammes, Julia Baron und Lena Dobkowicz. Foto: W. Andres / Kreis Euskirchen