„Maria. Ein Platz bleibt leer.“

Pressemitteilungen

27.10.2026

„Maria. Ein Platz bleibt leer.“

Ein überdimensionaler, schief stehender Stuhl, unzählige Nägel und durchtrennte Kordeln: Mit einer eindrucksvollen künstlerischen Installation erinnern Schülerinnen und Schüler der Marienschule sowie Auszubildende der Nordeifelwerkstätten an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Unter dem Titel „Maria. Ein Platz bleibt leer.“ ist das Ergebnis des inklusiven Erinnerungsprojekts vom 3. bis 13. November im Kreishaus Euskirchen zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Wie kann Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus gelingen? Und wie lässt sich Geschichte so vermitteln, dass sie nicht nur verstanden, sondern auch emotional erfahrbar wird? Mit diesen Fragen haben sich die Beteiligten im Rahmen des Projekts „Geschichte gemeinsam begreifen – Erinnerungskultur durch ästhetische Sensibilisierung“ intensiv auseinandergesetzt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein 2,50 Meter hoher, schief stehender Stuhl, der von Auszubildenden der Nordeifelwerkstätten gefertigt und anschließend von Schülerinnen und Schülern der Marienschule künstlerisch gestaltet wurde. Inspiriert von den leeren Stühlen auf dem Plac Bohaterów Getta (Platz der Ghettohelden) im polnischen Krakau symbolisiert das Kunstwerk die Leerstelle, die die nationalsozialistischen Verbrechen hinterlassen haben.

Der leere Stuhl erinnert insbesondere an das Schicksal von Maria Daniel, die 1914 in Morsbach geboren und 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde ermordet wurde. Stellvertretend für die vielen Menschen, die aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung vom NS-Regime verfolgt und getötet wurden, erhält sie durch das Erinnerungsprojekt einen Platz im öffentlichen Bewusstsein.

Auch die künstlerische Gestaltung ist voller Symbolik: Mehr als fünf Kilogramm Nägel wurden in das Objekt eingeschlagen, Kordeln geknotet und anschließend bewusst wieder durchtrennt. Sie stehen sinnbildlich für die gewaltsam beendeten Lebenswege der Opfer. Anregungen lieferten unter anderem die Werke der Kunstschaffenden Chiharu Shiota, Günther Uecker und Dani Karavan. Der gewählte Grauton erinnert an die sogenannten „Grauen Busse“, mit denen Menschen während der NS-Zeit in die Tötungsanstalten transportiert wurden.

Ergänzt wird die Installation durch informative Roll-ups, die von den Schülerinnen und Schülern sorgfältig recherchiert und gestaltet wurden. Über QR-Codes können Besucherinnen und Besucher weiterführende Informationen zur nationalsozialistischen „Euthanasie“, zur sogenannten „Aktion T4“ sowie zur Lebensgeschichte von Maria Daniel abrufen.

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie junge Menschen Geschichte auf kreative und zugleich sensible Weise aufarbeiten können. Durch die Zusammenarbeit der Marienschule und der Nordeifelwerkstätten ist ein gemeinsames Erinnerungsprojekt entstanden, das zum Innehalten, Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einlädt.

Die Wanderausstellung „Maria. Ein Platz bleibt leer.“ ist vom 3. bis 13. November 2026 während der regulären Öffnungszeiten im Kreishaus Euskirchen zu sehen. Der Besuch ist kostenfrei. (Foto: Marienschule Euskirchen)