Wenn das Online-Schnäppchen zum kostspieligen Reinfall wird

Pressemitteilungen

10.06.2026

Wenn das Online-Schnäppchen zum kostspieligen Reinfall wird

Untergeschobene Verträge, missglückte Widerrufe oder Ärger mit Zahlungsdienstleistern: Bei rund knapp 4200 Anliegen war die Verbraucherzentrale in Euskirchen im vergangenen Jahr wieder verlässliche Ansprechpartnerin, um Verbraucherrechte durchzusetzen oder unberechtigten Forderungen einen Riegel vorzuschieben. „Käufe, Buchungen oder Vertragsabschlüsse finden heute überwiegend digital statt. Das ist einerseits bequem, führt aber auch zu vielfältigen und immer komplexer werdenden Problemen. Wenn Anbieter dann nur noch per KI-gesteuertem Chatbot oder Kontaktformular erreichbar sind oder gar nicht reagieren, sind viele Verbraucher überfordert“, berichtet Beratungsstellenleiterin Monika Schiffer. Wie wichtig die Arbeit der Verbraucherzentrale ist, betonte auch Landrat Markus Ramers: “Der Kreis Euskirchen unterstützt die Arbeit der Verbraucherzentrale seit vielen Jahren – und der aktuelle Jahresbericht zeigt eindrucksvoll: Diese Unterstützung kommt direkt den Menschen hier in der Region zugute.”

Von immer professioneller gestalteten Fakeshops über vermeintliche „Hilfen“ beim Ausfüllen von Behördenanträgen bis hin zu Coaching-Angeboten mit zweifelhaftem Nutzen: So manches Online-Schnäppchen wurde für die Verbraucher im Kreis Euskirchen im vergangenen Jahr zur kostspieligen Falle. „Die Menschen sind dann sehr erleichtert, wenn ihre Probleme gelöst werden können“, so Schiffer. Der Blick in den Jahresbericht 2025 zeigt: Bei rund 2000 Rechtsberatungen und -vertretungen haben sich die Verbraucherschützer zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt.

Typische Fälle aus der Beratungspraxis:
• Bei der Strom- oder Gaslieferung werden Zähler verwechselt, sind Abrechnungen fehlerhaft, werden Verträge untergeschoben …
• Reklamationen wurden von Händlern mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt
• Bei Online-Bestellungen kam es zu falschen Lieferungen und strittigen Retouren
• Kostenfallen durch sogenannte Dokumenten-Dienstleister nahmen zu
• Abo-Fallen, etwa bei vermeintlich kostenlosen Zeitschriften, sorgten für Beschwerden
• Aufdringlicher Vertrieb beim Glasfaserausbau führte zu unerwünschten Vertragsabschlüssen
• Teure „Knöllchen“ oder sogar abgeschleppte Autos auf dem Supermarktparkplatz machten Ärger


30 Jahre Verbraucherzentrale in Euskirchen

Im Zuge einer kleinen Jubiläumsfeier zu „30 Jahre Verbraucherzentrale in Euskirchen“ erfuhr das Team der Beratungsstelle viel Wertschätzung von Politik und Verwaltung.

Ein zentrales Thema im Berichtsjahr: der vermeintliche Käuferschutz bei Zahlungsdiensten wie PayPal, Klarna oder Amazon Pay. Viele Verbraucher verließen sich darauf – und standen im Streitfall dennoch ohne Erstattung da. Die Beratungsstelle klärte rund um den Weltverbrauchertag im März vergangenen Jahres darüber auf, dass gesetzliche Gewährleistungsrechte oft weiter reichen als freiwillige Schutzversprechen der Anbieter.


Künstliche Intelligenz bringt neue Herausforderungen


Auch der Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) ist in der Beratung deutlich spürbar, so die Beratungsstellenleitung: „Eine falsche KI-Rechtsauslegung führt oft zu Erwartungen, die sich rechtlich gar nicht durchsetzen lassen. Wir müssen diese Erwartungen dann in realistische Bahnen lenken – und manchmal auch enttäuschen.“ Zugleich beobachtet die Verbraucherzentrale NRW neue Risiken: KI-generierte Inhalte können Verbraucher in unseriöse Beratungsangebote führen. Perspektivisch sollen jedoch auch eigene KI-Anwendungen die Arbeit der Verbraucherschützer unterstützen. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie nach Informationen suchen und prüfen, wie KI unsere Beratung sinnvoll ergänzen kann“, erklärt Monika Schiffer.
„Viele Menschen sind besorgt und verunsichert wegen der aktuellen Auswirkungen globaler Krisen wie dem Irankrieg. Steigende Preise für Energie und Lebenshaltung belasten gerade Haushalte mit geringem Einkommen. Da ist besonders wichtig und hilfreich, wenn wir bei Alltagsproblemen unterstützen und finanziellen Schaden abwenden können“, so das Fazit von Monika Schiffer.


Weiterführende Infos www.verbraucherzentrale.nrw/euskirchen-jahresbericht2025

 

FOTO: Landrat Markus Ramers hob die Bedeutung der Verbraucherzentrale für die Menschen im Kreis Euskirchen hervor. Neben ihm Monika Schiffer, die Leiterin der Beratungsstelle in Euskirchen, und Regionalleiterin Beate Fackeldey. Foto: W. Andres / Kreisverwaltung